Geschichte
Die Niederburg Kranichfeld wird erstmals als kleine mittelalterliche Hauptburg urkundlich erwähnt.¹
Errichtet wurde sie von den Reichsfreiherren von Kranichfeld. Die Anlage war von einem schützenden Graben umgeben und verfügte im Nordosten sowie Nordwesten über einen vorgelagerten Wall.²
In einer weiteren urkundlichen Erwähnung erscheint die Niederburg Kranichfeld als Pfandbesitz der Grafen von Schwarzburg.²
Oberlehnsherr der Anlage war zu dieser Zeit der Erzbischof von Mainz.² Damit war die Burg in das weitverzweigte Lehns- und Herrschaftssystem des mittelalterlichen Reiches eingebunden und stand unter geistlicher Oberhoheit.
Burggraf Albrecht III. von Kirchberg erwarb die Niederburg Kranichfeld für 800 Mark lötiges Silber.²
Mit diesem Kauf ging die Anlage in den Besitz der Burggrafen von Kirchberg über.
Im weiteren Verlauf verpfändete der Burggraf von Kirchberg die Niederburg Kranichfeld an verschiedene kleinere Adelsfamilien.²
Dabei handelte es sich nicht um einen Eigentümerwechsel, sondern um eine zeitlich begrenzte Überlassung im Rahmen des mittelalterlichen Pfandwesens. Die formale Herrschaft über die Burg verblieb somit weiterhin beim Burggrafen.
Die Niederburg Kranichfeld wurde mitsamt Zubehör sowie Teilen des Ortes Kranichfeld an die Grafen von Gleichen-Blankenhain verkauft.²
Infolge dieses Besitzwechsels kam es zur Entstehung von Ober- und Niederkranichfeld. Die daraus resultierende Teilung der Stadt prägte die Entwicklung des Ortes über Jahrhunderte hinweg und bestand bis zum 31. Dezember 1912.²
Die Niederburg Kranichfeld sowie die Herrschaft über Niederkranichfeld wurden erneut veräußert. Curt von Mandelslohe erwarb die Burg für 60.000 Gulden.²
Mit dem Besitzwechsel verband sich eine strukturelle Neuordnung: Von Mandelslohe richtete das Amt Niederkranichfeld ein und bestimmte die Niederburg zu dessen Verwaltungssitz. Damit gewann die Anlage zunehmend auch administrative Bedeutung.²
Die Niederburg Kranichfeld sowie die zugehörige Herrschaft Niederkranichfeld wurden erneut veräußert. Käufer waren diesmal die Grafen von Mörsberg-Beffort.²
Graf Friedrich von Mörsberg-Beffort ließ in der Niederburg Kranichfeld eine evangelische Kapelle einbauen.²
Mit der Einrichtung eines eigenen Andachtsraumes erhielt die Burg auch eine religiöse Funktion. Die Kapelle spiegelte die konfessionelle Prägung ihrer Zeit wider und unterstrich zugleich den repräsentativen Anspruch der gräflichen Herrschaft.
Beide Stadtteile – Ober- und Niederkranichfeld – erhielten das Stadtrecht.²
Mit dieser Erhebung waren bedeutende Privilegien verbunden, darunter das Recht auf Selbstverwaltung, Marktabhaltung und eigene Gerichtsbarkeit. Die Verleihung des Stadtrechts stellte einen wichtigen Meilenstein in der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung beider Orte dar und stärkte ihre Stellung in der Region.
Die Niederburg Kranichfeld sowie die Herrschaft Niederkranichfeld wurden für 55.000 meißnische Gulden an die Grafen von Hatzfeld veräußert.²
Mit dem Besitzwechsel einher ging die Umwandlung der zuvor evangelischen Kapelle in eine katholische. Dieser Schritt spiegelt die konfessionellen Veränderungen der Zeit wider.²
Die Niederburg Kranichfeld sowie die Herrschaft Niederkranichfeld gingen erneut in den Besitz der Grafen von Mörsberg-Beffort zurück.²
Dieser Rückkauf setzte die lange Reihe wechselnder Eigentümer fort.
Die Niederburg Kranichfeld sowie die Herrschaft Niederkranichfeld kehrten erneut in den Besitz der Grafen von Hatzfeld zurück.²
Schließlich fiel das Lehen der Niederburg Kranichfeld an den Erzbischof von Mainz zurück.²
Damit endete eine lange Phase wechselnder Besitzer, und die Burg wurde wieder Teil der geistlichen Oberherrschaft. Dieser Schritt markiert das Ende der direkten Herrschaft einzelner Adelsgeschlechter über Niederkranichfeld und festigte die zentrale Rolle des Erzbistums in der Region.
Während der napoleonischen Kriege wechselte die Herrschaft über Niederkranichfeld zwischen dem Königreich Preußen und der Republik Frankreich.²
In dieser Zeit wurde die Niederburg Kranichfeld zeitweise als Lazarett genutzt. Gleichzeitig setzte der Verfall der Anlage weiter ein, da militärische Nutzung und fehlende Instandhaltung ihre Spuren hinterließen.²
Nach den napoleonischen Umwälzungen wurden die Niederburg Kranichfeld und die Herrschaft Niederkranichfeld dem Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach unter Großherzog Carl August zugeteilt.²
Die Niederburg Kranichfeld wurde bei einer Versteigerung für 905 Taler an den Förster Johann Friedrich Mey und den Zimmermann Tobias Friedrich Witzmann verkauft.²
Mit diesem Verkauf ging die Burg endgültig aus adligem Besitz in private Hände über. Dies markierte einen weiteren Wendepunkt in der langen Geschichte der Anlage, die nun zunehmend profane Nutzung und baulichen Wandel erfuhr.
Die Niederburg Kranichfeld sowie der Planhof und der Ruhmberg wurden für 27.000 Reichsmark an Fräulein Johanna Rauchfuß verkauft.²
Dieser Kauf brachte die Burg endgültig in bürgerlichen Besitz. Mit der Übernahme begann eine neue Phase in der Geschichte der Anlage, in der private Nutzung und Erhaltung zunehmend im Vordergrund standen.
Unter der neuen Eigentümerin begannen umfassende Umbauarbeiten im Stil einer mittelalterlichen Ritterburg.²
Dabei entstanden unter anderem Mauerzinnen, ein Fallgittertor sowie ein viereckiger Aussichtsturm auf der Ostseite des Burghofes. Gleichzeitig wurde eine komfortable Wohnung mit eigenem Bad eingerichtet, die die Burg sowohl repräsentativ als auch wohnlich machte.²
Die Niederburg Kranichfeld wurde für 180.000 Reichsmark an Generaldirektor Robert Aumüller verkauft.²
Mit diesem Erwerb wechselte die Burg erneut den Besitzer und blieb im 20. Jahrhundert in privater Hand.²
Während der Nachkriegszeit diente die Niederburg Kranichfeld als Sitz der sowjetischen Militärbehörde.²
Robert Aumüller wurde enteignet, und die Niederburg Kranichfeld samt Zubehör ging in Volkseigentum über.²
Die Verwaltung der Burg übernahm der Rat der Stadt Kranichfeld.² Damit endete die private Nutzung der Anlage endgültig, und die Burg wurde Teil des öffentlichen Vermögens mit neuen Aufgaben für die Gemeinschaft.
In der DDR-Zeit richtete die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) in der Niederburg Kranichfeld ihre Kreisparteischule Weimar ein.²
Die Burg erhielt damit eine politische und bildungsbezogene Funktion, die ihre Nutzung erneut veränderte.²
Mit tatkräftiger Unterstützung der Heimatfreunde des Kulturbundes und vieler freiwilliger Helfer der Stadt wurde auf dem Gelände der Niederburg Kranichfeld eine Freilichtbühne errichtet.¹
Dieses Projekt verlieh der Burg eine neue kulturelle Funktion und machte sie zu einem wichtigen Treffpunkt für Veranstaltungen in der Region.
Im 1. Stock der Niederburg Kranichfeld wurde ein städtischer Kindergarten eingerichtet.²
Damit erhielt die Burg erneut eine gemeinschaftliche Funktion und wurde ein Ort für Bildung und Betreuung, der das historische Bauwerk mit dem täglichen Leben der Stadt verband.
Im Erdgeschoss des Hauptgebäudes der Niederburg Kranichfeld wurde ein Burgkaffee eröffnet.²
Diese Nutzung machte die Burg für Besucher noch zugänglicher und verband Kultur, Gastronomie und historisches Flair, sodass die Anlage zunehmend zu einem beliebten Treffpunkt für Einheimische und Gäste wurde.
Im 2. Stock der Niederburg Kranichfeld wurde die Heimatstube eröffnet.²
Die Niederburg Kranichfeld, einschließlich der erhaltenen Wälle, Gräben und des Planhofs – auch als „Judendorf“ bekannt – wurde als archäologisches Denkmal unter Schutz gestellt.¹
Damit wurde die historische und archäologische Bedeutung der Anlage offiziell anerkannt und ihre Erhaltung für zukünftige Generationen gesichert.
Im Erdgeschoss der Niederburg Kranichfeld wurde eine Speisegaststätte mit 130 Plätzen neu eröffnet.²
Damit erhielt die Burg eine moderne gastronomische Nutzung, die Besucher anzieht und das historische Ambiente mit kulinarischem Angebot verbindet.
Die Räume im 1. Stock der Niederburg Kranichfeld wurden als Klassenzimmer für die Schüler der 1. bis 4. Klasse der Karl-Marx-Oberschule genutzt.²
Damit diente die Burg erneut einer gemeinschaftlichen und bildungsbezogenen Funktion.
Die 1. Etage der Niederburg Kranichfeld wurde als Klubraum und Weinstube eingerichtet.²
Damit erhielt die Burg einen weiteren gesellschaftlichen Treffpunkt, der kulturelle Begegnungen und geselliges Zusammensein in historischer Umgebung ermöglichte.
Die Niederburg Kranichfeld wurde vom FDGB-Feriendienst übernommen.²
Im Erdgeschoss blieben Theke, Speiseräume und Küche erhalten, während in der 2. Etage des Hauptgebäudes zwei Wohnungen vermietet wurden.² Dadurch erhielt die Burg erneut eine gemischte Nutzung, die Gastronomie, Unterkunft und Ferienaufenthalte kombinierte.
Die Niederburg Kranichfeld ging endgültig in den Besitz der Stadt Kranichfeld über.¹
Damit wurde die Burg offiziell kommunales Eigentum, was langfristig ihre Erhaltung, öffentliche Nutzung und die Integration in das kulturelle Leben der Stadt sicherte.
Der Thüringer Tanzverband e.V. wählte die Stadt Kranichfeld und die Freilichtbühne der Niederburg als Austragungsort eines zweijährlich stattfindenden Tanzfestes.¹
Das Fest findet in Verbindung mit dem traditionellen Rosenfest statt und macht die Burg erneut zu einem kulturellen Zentrum, das regionale Traditionen, Musik und Tanz erlebbar macht.¹
Die Firma MÜHL Product Service Kranichfeld übernahm die Niederburg Kranichfeld im Rahmen eines Erbpachtvertrags.¹
Seitdem wird die Burg als Repräsentations-, Kultur- und Weiterbildungsstätte genutzt.¹
Anlässlich des Kulturstadtjahres Weimar wurde das Veranstaltungsgelände an der Niederburg Kranichfeld saniert.¹
Die Maßnahmen verbesserten die Infrastruktur für kulturelle Events und Festlichkeiten und machten die Freilichtbühne sowie das Umfeld der Burg zu einem modernen, sicheren Veranstaltungsort, ohne den historischen Charakter der Anlage zu beeinträchtigen.
Die Niederburg Kranichfeld wurde wieder in den Besitz der Stadt Kranichfeld zurückgeführt, und die Verwaltung übernahm der Eigenbetrieb Wohnungswirtschaft Kranichfeld.¹
Seitdem dient die Burg vielfältigen Zwecken: Sie wird für Veranstaltungen, Weiterbildungen, Jubiläen und als Terrassen-Café genutzt. Damit verbindet sie historischen Charme mit moderner Funktionalität und bleibt ein lebendiger Mittelpunkt des städtischen Lebens.
Im Planhof der Niederburg Kranichfeld etablierte sich der Adler- und Falkenhof.¹
Damit erhielt die Burg eine weitere kulturelle und touristische Nutzung, die Besuchern die Möglichkeit bietet, Greifvögel hautnah zu erleben und das historische Ambiente der Anlage mit Natur- und Tiererlebnissen zu verbinden.
Der Rosengarten der Niederburg Kranichfeld wurde umfassend saniert und neu gestaltet.¹
Die Niederburg Kranichfeld wird von der Stadt Kranichfeld für Veranstaltungen der „Clubbühne“ genutzt.¹
Im August 2024 begann die Stadt Kranichfeld mit der Sanierung der historischen Ringmauer der Niederburg Kranichfeld.¹
Der erste Bauabschnitt konzentriert sich auf den stark beschädigten Bereich unterhalb des Rosengartens. Rund 300.000 Euro werden dabei mit Unterstützung der Städtebauförderung investiert. Die Arbeiten umfassen Sicherungsmaßnahmen, den Wiederaufbau mit originalen Natursteinen sowie den Einbau moderner Schutzsysteme zur langfristigen Erhaltung der Mauer.¹
Schritt für Schritt leistet die Sanierung einen wichtigen Beitrag dazu, die Niederburg für kommende Generationen zu bewahren und ihr historisches Erscheinungsbild zu sichern.
Quelle: Jörg Bauer
Nach der Sanierung der Westmauer 2024 begann im Juli 2025 der zweite Bauabschnitt: die Erweiterung des Tores an der Ostseite. Ziel ist eine bessere Zufahrt für Rettungskräfte und Veranstalter, ohne den historischen Charakter der Anlage zu verändern.
Das rund 220.000 Euro teure Projekt wird zu 90 % über die Städtebauförderung finanziert und unter denkmalpflegerischer Begleitung umgesetzt. Historisches Material wird wiederverwendet, die neuen Torflügel entstehen in traditioneller Bauweise.
Ende September 2025 wurde das neue Tor fertiggestellt – pünktlich zum Mittelalterspektakel. Es erleichtert künftig Auf- und Abbau bei Veranstaltungen und verbessert die Sicherheit auf der Niederburg deutlich.¹
¹ Stadt Kranichfeld: Niederburg Kranichfeld (Stand: 11.02.2026) http://www.kranichfeld.de/verzeichnis/visitenkarte.php?mandat=141204
² Kahl, Wolfgang: Geschichte der Stadt Kranichfeld – Ein Heimatbuch – (1. Auflage 2012). Verlag Rockstuhl. S.845-846.